Reiseberichte | Photographie | Reisinger/Reisinger | Kontakt/Impressum | Home | Gästebuch
 

Die Einreise nach Albanien gestaltete sich äußerst einfach, im Gegensatz zur Ausreise aus Montenegro - die nahmen's sehr genau und wir mussten erstmalig sogar die Papiere vom Hundling herzeigen. An der Grenze fragte uns der erste der zuständigen albanischen Beamten (insgesamt muss man zwischen 2-3 Beamten mehrmals wechseln - Polizei und Zoll und ?) wohin wir fahren - als wir ihm mitteilten, dass wir die nächsten 5 Wochen in Albanien bleiben wollen, waren wir die ersten die über die Grenze durften - wir überholten eine ganze Kolonne die alle nur nach Griechenland auf der Durchreise waren.

Es gibt keine Visumsgebühr mehr, wie noch 2008. Man erhält eine Urkunde vom Finanzbeamten in bunten Farben, auf der vermerkt ist, wann und mit welchem Fahrzeug man nach Albanien einreist. Die Tagesgebühr für ein Wohnmobil beträgt 2 Euro, für eine Person 1 Euro. Wir bezahlten allerdings unterschiedlichste Gebühren bei der Ausreise - was wir jedoch nicht auf irgendeine Bereicherungsabsicht der Beamten zurückführen - sondern auf Unwissenheit. Bei der Ausreise nach Makedonien bezahlten wir z.B. nach mehreren Tagen Aufenthalt nur 4 Euro - also 2 fürs Auto und 1 pro Person. Der Zöllner wusste (glauben wir) einfach nicht - dass das die Tagesgebühr ist. Vermutlich waren wir aber auch so ziemlich die ersten Touristen im Jahr 2009 die mit einem Wohnmobil diese Grenze überschritten haben.
Dann kam er der Kulturschock - gleich nach der Grenze begegnete uns ein Mercedes aus dem Jahre Schnee, der eine komplette Wohnzimmer-Sitzgarnitur auf dem Dach hatte. IKEA - Werbung lässt grüßen! Albaner die an halbwegs befahrbaren Straßen wohnen LIEBEN Mercedes - diese begegnen einem in Albanien in allen Arten - vom SUV bis zu Modellen aus den 50ern - und Verfallstadien. Es folgte die erste Holzbrücke und Shkoder. Eine Stadt in der Zigeuner Kleider auf dem Gehsteig verkaufen, Raiffeisenbanken mit Glasfronten stehen und Ziegenhirten neben Leuten in Prada flanieren. Gleich am Stadtrand in Richtung Hani i Hoti befindet sich ein kleiner Markt den man eher in Südostasien als in Europa vermuten würde - mit lebenden Frischfleisch (Hühner, Fische in Styroporkisten, Ziegen mit gefesselten Beinen) und Bergen von Obst und Gemüse . Dort deckten wir uns mit Lebensmitteln ein (wurden vermutlich das einzige Mal geprellt- zahlten für das Gemüse wahrscheinlich einen albanischen Monatslohn) und machten uns auf Richtung Berge.

Unser erstes Ziel war Theth mit seinem Nationalpark. Bis Boge führt eine asphaltierte Straße - ab Boge dann teils schwierige Schotterpiste. Entgegen unserer Straßenkarte sind's nicht 14 km über den Pass sondern beinahe 30km. Aber die Erfahrung, dass unsere Straßenkarte nicht stimmt, sollten wir ja in den nächsten Wochen noch - mit zum Teil heiteren Begegnungen - mehrmals machen.

Der Nationalpark als solches erstreckt sich über 2.630 ha und wurde lt. einer Quelle 1966, nach einer anderen 1976 gegründet.
Thethi liegt im Nordosten Albaniens im Tal des Shala Flusses. Es ist von mehreren Zweitausendern umgeben und anscheinend führen alte Schmugglerpfade über die nördlichen Berge nach Montenegro. Auch kann man die Berge in das Valbone überqueren - ein uns sehr empfohlener Teil Albaniens, den wir uns für den nächsten Besuch aufbehalten haben. Der Ort erstreckt sich als Streusiedlung durch das gesamte obere Tal und ist im Winter oft monatelang von der Außenwelt abgeschnitten.

Bei unserer Wanderung mit überraschend klar, neu und gut markierten Wanderwegen hielt plötzlich ein Jeep und stellte sich heraus, dass es sich um die Mitglieder eines deutschen Hilfsprojektes (GTZ) handelt, die den Tourismus in Theth auf Vordermann bringen sollten ( also die Wegmarkierer). Es gibt derzeit kein Hotel (eines wurde bei der Ortseinfahrt begonnen - aber scheint's nicht fertig gestellt), keine Schule und keine medizinische Versorgung. Dafür aber einen alten Blutturm - der sich in noch erschreckend gutem Zustand (wird er noch immer verwendet?) befindet. Diese Bluttürme verfügen lediglich im 1 Stock über einen Zugang und wurden dort Familienmitgliedern, denen die Rache angedroht wurde, zu ihrer Sicherheit - oft auch für längere Zeit - eingesperrt.

Die ältesten Siedlungsspuren stammen aus der Altsteinzeit und später wurde das Tal auch von Illyrern bewohnt. 1892 wurde eine Kirche erbaut und im Jahr 1936 die Straße nach Theth sowie ein Hotel. Im Kommunismus wurde sogar ein Arbeiterferienheim gebaut. In den 80er Jahren des 20 Jhd. lebten rund 7000 Menschen in Theth. Nunmehr ist es so gut wie verlassen. Auch die vielen Hilfsprojekte und die entsprechenden finanziellen Mittel ändern daran nicht viel. Was uns vor allem stutzig machte - es war sicher der meist "beholfene" und unterstütze Ort im albanischen Hinterland in dem wir gewesen sind, es war aber auch der einzige Ort an dem wir Bettler begegneten. Es gibt lt. unserer Karte noch einen zweiten Weg nach Süden über das Kir-Tal. Dieser sollte in noch schlechterem Zustand als der Weg von Boge nach Theth sein und kaum zu befahren. Wir haben den Weg aus Theth in die südliche Richtung schon gar nicht gefunden.

Wir fanden erst nach unserer Reise heraus, dass es über Nordalbanien einen Wanderführer geben sollte ( Barbara Hausammann und Christian Zindel), dass über Theth Ausführliches im Reisehandbuch Albanien von Volker Grundmann steht(das wurde uns von anderen Reisenden in Albanien sehr ans Herz gelegt) und es Kartenmaterial von GTZ mit Rundwanderwegen und Radtouren im Nationalpark geben sollte. Wir haben allerdings mit keinen dieser Unterlagen Erfahrungen.

Den Ausflug nach Theth machten wir nur mit dem Auto und ließen die Kabine stehen. Beim Aufsetzen der Kabine der große Schreck - der Haken zum Befestigen der Kabine ist gerissen!!!! Aber Gott sei Dank - es hatte sich nur die Schrauböse vom Gewinde gelöst - der Schaden ließ sich problemlos beheben und am nächsten Tag machten wir uns - vorbei an einer Bäckerei mit Motorsäge und über das Auftauchen und Einkaufen von Touristen ziemlich verdatterten Bäckerinnen - auf den Weg zu unserem nächsten Ziel.

zur Bildgallerie-------->