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Die Canol (Canadian-Oil) Road wurde zwischen 1942 und 1944 im 2 Weltkrieg zur Ölversorgung gebaut. Sie ist insgesamt 825 km lang und führt von Johnson's Crossing im Süden (51 km westlich von Teslin am Alaska Highway) bis Norman Wells am Mckenzie River in den Northwest Territories. Seit 1958 wird die Strecke von Ross River am Campbell Highway bis zur Grenze der NWT als "North Canol" bezeichnet, diese Strecke wird nicht gewartet. Die Straße ist in schlechtem Zustand und bei den Brücken weiß man oft nicht, ob sie befahrbar sind. Dies war neben dem Dalton Highway in Alaska die einzige Straße, die wir mit unserem Miet-Truck nicht fahren durften. In Ross River sahen wir jedoch zwei Unimogs mit deutschen Kennzeichen - vielleicht hattens die ja gewagt.

Die South Canol führt ca 1 km östlich von Ross River am Campbell Highway 220 km Richtung Süden nach Johnson's Crossing. Dieser Teilabschnitt ist im Winter gesperrt und wird im Frühjahr einmal gewartet, wobei uns in Ross River versichert wurde, dass nicht wirklich viel daran gearbeitet wird. Die Straße ist auch bei gutem Wetter nur mit Allrad zu empfehlen. Besonders mit großen Campern ist sie nicht zu befahren. In der "Milepost" heißt's "not recommended for any size vehicle in wet weather", dem würden wir uns (leider aus eigener Erfahrung) auch anschließen.
Auf der South Canol gibt's keinerlei Einrichtungen (Tanken, Einkaufen etc).

Die letzte Nacht bevor wir uns aufmachten verbrachten wir in Faro, einem kleinen Ort einige Kilometer nördlich des Campbell Highways. Der Campingplatz wird von der Gemeinde betrieben, hat Laundry, Bad, Wasser, Strom und kostet mit 10 $ weniger als die Yukon Government Campgrounds. Die Rezeption des Campgrounds ist gleichzeitig die Touristeninformation und wird von Sabine, einer vor 10 Jahren ausgewanderten "fast Nachbarin von uns" (sie stammt aus dem Bayrischen Wald) betreut. In Faro gibt's auch einen größeren Store in dem man sich mit allem notwendigen versorgen kann. Als wir losfuhren erzählte uns Sabine, dass die South Canol laut ihrer letzten Information von vor zwei Tagen noch gesperrt sei, wir jedoch jedenfalls versuchen sollten, bis zum Lapie Canyon zu fahren, da die Strecke einfach wunderschön sei. Wir fuhren also los und als wir zur Abzweigung kamen, stellten wir erfreut fest, dass die Straße für die Saison geöffnet worden war, jedoch war der Campingplatz am Cottonwood Creek für dieses Jahr gesperrt. Wir fuhren nochmals zurück nach Ross River um zu tanken, auch hier bekamen wir die Auskunft, dass die South Canol mit unserem Truckcamper gerade noch zu befahren sei, wenn wir langsam fahren - aber es würde sich auf alle Fälle lohnen ! Ross River ist ein kleiner, hauptsächlich von First Nations bewohnter Ort, in welchem man zwei kleinere Foodstores (der an der Tankstelle hat UMFANGREICHSTES Fisch- und Outdoorzubehör) , Tankstellen und Campingmöglichkeiten findet. Außerdem kann man von hier aus mit verschiedenen Airlines Trips starten und man findet Outfitter fürs Fischen, Paddeln, Jagen u.ä. .

Tja und dann ging's endlich los. Wir gingen das ganze sehr gemütlich an und fuhren nur 7 km bis zu Lapie Canyon. Entlang dieser noch einfach zu fahrenden Strecke kommt man an verschiedenen geologisch interessanten Abschnitten vorbei. Nach den ersten drei Kilometern kann man verschiedene Asche und Konglomeratschichten in unterschiedlichsten Farben bewundern, in den oberen Schichten haben sich Mauersegler einquartiert, anschließend kommt man zu erodierten Steinsäulen - Hoodoos - genannt. Über den Lapie River Canyon führt eine einspurige Holzbrücke. Nach der Brücke, auf der rechten Seite ist ein Waldweg an dem man wunderbar campen kann und ein Weg führt an eine verlassene, uralte und mit Gräsern und Moosen bewachsene Hütte und hinunter an den Lapie River. Dort verbrachten wir dann einen geruhsamen Nachmittag und Abend mit Lagerfeuer am Hochwasser führenden Fluss.

Am nächsten Morgen verließen wird dann von plötzlich auftauchenden Moskitohorden überfallen unseren Campplatz und fuhren weiter Richtung Lapie Pass, bei km 17 hat man Ausweichstellen und einen weiten Ausblick über den Lapie River. In westlicher Richtung kann man am Berghang mit Glück Bergschafe beobachten.
Und dann rüber über den Pass - WOW - eine gerade mal einspurige nicht wirklich befestigte Sandpiste führt entlang dem Berghang einige hundert Meter über dem Lapie River. Gott sei dank, ist die South Canol derart wenig befahren, dass hier Gegenverkehr doch ausgesprochenes Pech wäre. Eine steile, enge, kurvige Straße führt wieder hinunter bis zum Fluss. An der linken Seite findet man eine Flussbiegung mit einer sehr großen Schwemmfläche, welche mit Wollgras und hunderten Tierfährten (Bären, Wölfe, Bisamratten, Elche usw.) übersät war - die Stelle würde sich hervorragend zum Übernachten und Fischen eignen

Für die nächsten 18 km fährt man entlang des Flusses durch ein breites Tal. Bei km 55 beginnen die Lapie Lakes. Es handelt sich um die Quelltöpfe des Lapie Rivers, man kommt an größeren und kleineren grün leuchtenden Seen vorbei. Entlang des größten Lapie Lakes kamen wir an einigen Camps der Tlingits vorbei, in welchen sie sich den Sommer über aufhalten um zu jagen und zu fischen. Auch sahen wir entlang der gesamten South Canol an den Seeufern immer wieder Vorrichtungen der First Nations zum Fischräuchern. Am Ende des Hauptsees liegt ein aufgelassener Yukon Government Campground, er wird offiziell nicht gewartet. Die Plumpsklos waren jedoch sauber und mit Toilettenpapier ausgestattet, auch gabs noch zwei Feuerringe und einen Campingtisch. Die Stelle eignet sich hervorragend zum Einsetzten eines Bootes und wir ließen die Gelegenheit natürlich nicht verstreichen und bauten unseren Ally auf. Ausgestatte mit Angeln ging's auf den See, der zu Beginn spiegelglatt und ruhig dalag. Gleich gegenüber der Einstiegstelle sind einige kleine bewachsene Inseln. Gebissen hat nichts, aber ein riesige Lachsforelle kam zwei Meter neben dem Boot (natürlich auf der anderen Seite als an der, an der die Angel hing) aus dem Wasser gesprungen.

Plötzlich drehte sich der Wind und wurde fast orkanartig. Dann fings auch noch zu blitzen, zu donnern und zu schütten an ! Wir waren vielleicht gerade mal 150m vom Ufer entfernt, aber bei den meterhohen Wellen die plötzlich in die Höhe wuchsen, suchten wir im Windschatten einer der Inseln Schutz. Schweinekalt wurde es auch innerhalb kürzester Zeit und natürlich war das auch das einzige mal, dass wir keine Regenponchos oder Fleecejacken dabei hatten. Aber so schnell wie der ganze Zauber gekommen ist, war er dann Gott sei dank auch wieder vorbei. Nach einer guten viertel Stunde hat der Wind nachgelassen und auch die Wellen beruhigten sich so weit, dass wir zum Ufer zurückkamen. Eine halbe Stunde später war der See wieder spiegelglatt und die Sonne kam zum Vorschein. Aber auch das dauerte nicht lange und dann hat's zu regnen begonnen und für die nächsten beiden Tage nicht mehr richtig aufgehört. Am nächsten Morgen ging's dann weiter entlang des Rose Creeks. Diesen überquert man insgesamt 6mal (die kleinen Brücken sind alle nummeriert ) man beginnt mit Rose Creek No 6 usw. - ist aber alles der gleiche Bach!

Der Nisutlin River führte mächtig Hochwasser und zum Teil war sogar die Straße überschwemmt (hochgelobt der Allrad!). Bei einer der Überschwemmungen begegnete uns ein deutsches Paar, welches gerade von einem schweizer Outfitter zur Einstiegsstelle ihrer Tour gebracht wurde. Sie beabsichtigten 3 Wochen lang mit dem Kanu den Nisutlin, Teslin Lake und Yukon zu befahren. Bedingt durch das Hochwasser machten sie keinen sehr ruhigen und glücklichen Eindruck - hoffentlich hatten Sie einen schönen Trip !

Zuerst dachten wir, dass wir am Quiet Lake eine Übernachtungsstelle suchen - beim Erstversuch an der Day-use Area, welche sich bestens geeignet hätte - gaben wir aber auf. Die Moskitos überfielen uns in Schwärmen. An ein Aussteigen ohne Moskitohemd und -hut, war gar nicht zu denken. Wir ließen den See hinter uns und fuhren weiter bis km 67. Dort befindet sich eine Restarea direkt am Nisutlin River welche sich auch hervorragend zum campieren eignet. Wäre auch eine tolle Einstiegstelle zum paddeln. An der Gelsenplage hatte sich aber leider auch hier nichts geändert. Während der Nacht begann es dann wirklich richtig zu regnen (die armen Paddler!) und wir hatten offensichtlich einigen Besuch, denn am morgen fanden wir im Matsch frische Elch und Fuchsspuren. Die Fahrt an diesem Tag auf der letzten Teilstrecke war nicht erbaulich. Durch den Regen hatte sich die Straße in Matsch verwandelt und es war eine reine Rutschpartie. Am Sidney Lake fanden wir eine tolle Stelle am See, welche offensichtlich auch von den First Nations als Camp genutzt wird (Räucher- und Zeltvorrichtungen), die Stelle war über einen sehr steilen, engen und steinigen Weg gerade noch mit dem Auto zu erreichen. Auf unserer Weiterfahrt hatten wir dann eine unserer Bärenbegegnungen. Ein Schwarzbär galoppierte ein Stück entlang der Straße und bog dann in den Wald. Wir haben angehalten und gewartet, leider ließ er sich nicht mehr blicken. Über den Summit Pass und den Moosecreek ging's dann im Schneckentempo bei Nebel und Regen und einer Temperatur von gerade mal 8 Grad ans Ende der South Canol. Entlang des Teslin Lakes (ein See mit Dimensionen, welche man sich bei uns in Mitteleuropa nicht vorstellen kann !) ging's dann bis Teslin. In dieser kleinen Stadt ist die Tlingit Kultur allgegenwärtig, es ist eine der größten Native Populationen im Yukon. Man findet ein Tlingit Center in welchem Versammlungen abgehalten werden und sehr interessante Masken ausgestellt sind. Mitten im Ort kann man ein kleines Museum besuchen, welches zu Ehren von George Johnston errichtet wurde. Er war ein äußerst innovativer und individueller Tlingit Indianer, welcher von 1884 bis 1972 gelebt hat. Zwischen 1910 und 1940 dokumentierte er das Leben in Teslin mit seiner Kamera und im Museum kann man seine Fotografien bestaunen. Außerdem legte er sich das erste Auto der Gegend zu, einen 1928 Chevrolet - und noch bevor an einen Alaska Highway zu denken war, errichtete er eine 3 Meilen lange Straße für sein "Teslin-Taxi" und fuhr auch im Winter mit Ketten über den zugefrorenen Teslin Lake, den Chevy kann man ebenfalls im Museum sehen. Wir übernachteten im Dawson Peaks Resort und RV-Park und am Abend war ich dann nochmals sehr vom Petrieglück gesegnet, denn ich fing einen ¾ m langen Hecht - LECKER war er.

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