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Eine abenteuerliche Reise durch das Land der Skipedaren
von 21. Mai bis 20 Juni 2009.

Albanien

stand schon länger auf unserer

Liste der "must do". Im Mai war es dann so weit. Wir verschoben unsere Reisepläne für Norwegen wieder um ein Jahr und machten uns auf Richtung Süden. Vorab hörten wir nur Extreme - die Leute, die noch nicht da waren verdrehten die Augen und meinten "was wollt ihr denn da - dort gibt's doch nur Verbrecher", die Leute, die schon da waren, hörten mit dem Schwärmen gar nicht mehr auf. Die Vorbereitung gestaltete sich schwieriger, als in so manchem anderen Reiseland. Kaum Literatur, so gut wie keine Karten. Es tut sich aber viel in dem Bereich und zwischen unserer Reise und dem Veröffentlichen des Reiseberichtes kamen etliche Materialien dazu. Ich verweise im Laufe des Textes immer wieder auf verschiedene Literatur. Zum Teil sind Städte, Flüsse u.ä. mit Wikipedia verlinkt, wenn wer genaueres wissen will.

Wir entschieden uns dann für die Karte von Reise-Know-How - sie war sehr schlecht, aber vermutlich das Beste was es derzeit auf dem Markt gibt. Es gibt noch eine uralt-Ausgabe einer Michelin Karte - ob diese noch erhältlich ist, sei jedoch dahingestellt. Auch alte russische Militärkarten sind im Umlauf. russische Topokarten

Anscheinend hat lediglich das albanische Militär ganz aktuelle Karten, rückt aber damit nicht heraus. Wir haben gehört, dass verschiedene Hilfsorganisationen und auch die UN fest am kartographieren sein sollten. Im Hinterland, vor allem im Norden und Westen, sind die Straßen in äußerst schlechtem Zustand und ohne Allradantrieb nicht zu befahren. Bis 1991 unter dem Regime des Diktators Hoxha war es Privatpersonen auch strikt verboten ein eigenes Auto zu haben - lediglich dem Militär, der Staatspolizei und privilegierten öffentlichen Beamten war es gestattet eines zu fahren.

Das übliche Fortbewegungsmittel ist vielerorts das Muli - mit Sätteln aus Teppichen und Holz - oder man geht zu Fuß. Es fiel uns generell in keinem bisher bereisten Land so schwer den richtigen Weg zu finden. Es gibt keine Ortsschilder, keine Wegweiser und die Straßen, die teils auf der Karte noch als Fußwege eingezeichnet sind, sind ganz neu ausgebaut und man glaubt sich auf der Hauptstraße - und nimmt prompt die falsche Abzweigung. Diese Tatsachen bescherten uns jedoch unglaublich witzige und zum Teil fast rührende Begegnungen mit den Menschen im Land - da wir immer wieder vom Weg abkamen und uns nur mit Fragen zurechtfanden.

Albanien ist ein Land der absoluten Gegensätze. Dank der lang andauernden und absolut abgeschotteten Diktatur des Herrn Enver Hoxha glaubt man sich vor allem in Hinterland oft um Jahrhunderte zurückversetzt. Es gibt unter Anderem immer noch keine staatliche Müllabfuhr im Land. Was zu erheblichen Problemen führt - auch wir warfen (in Ermangelung von Alternativen und Mülltonnen) unsere Müllsäcke verschämt zu anderem Müll, den wir am Straßenrand fanden. An der Küste und in manchen Regionen des Südens befindet man sich ganz klar im 21 Jahrhundert. Besonders ganz im Norden und Süden - durch den direkten Grenzanschluss an die EU (Griechenland und Montenegro) schießen an der Küste die Badeorte à la Lignano wie die Pilze aus dem Boden. Zuckerfarbene Hochhäuser und Schirm und Liegestuhlreihen erinnern an die obere Adria. Autobahnen werden als Durchzugsstraßen von Norden nach Süden (unglaublich wie viele Leute nach Griechenland über den Landweg mit Womos unterwegs sind) und von der Küste ins Hinterland gebaut (Durres - Kukes - Kosovo: eröffnete im Juni 2009, als wir da waren liefen die Fertigstellungsarbeiten auf Hochtouren). Befährt man eine solche Autobahn, kann es aber durchaus passieren, dass auf man auf dem Pannenstreifen einen Eselskarren überholt oder einem ein Mercedes mit eingeschalteter Warnblinkanlage entgegenkommt. Auf der Autobahn werden auch lebende Hasen zum Verkauf angeboten oder es befindet sich die Zufahrt eines Geschäftes direkt am Pannenstreifen.

In eben diesen modernen Orten ist auch die Versorgung mit Lebensmittel und sonstigen Gütern kein Problem. Im Hinterland gestaltet sich das Einkaufen oft als Abenteuer. Fleisch wird lebend oder frisch gehäutet neben der Straße angeboten. In den größeren Orten hat man meist drei Geschäfte: eines mit Getränken (je nachdem ob muslimisch oder christlich - mit Alkohol oder ohne), H-Milch und Zigaretten, eines mit Gemüse (nur was es gerade gibt), Mehl, Zucker, Eier und wenn eine Kühltheke vorhanden ist mit Frischkäse, Butter und harten Würsten, und eine Bäckerei mit meist genau einer Sorte Brot. Obst der Saison kann man von Kindern neben der Straße kaufen. Mit Trinkwasser wird man in den Bergen aus den unzähligen Quellen, die neben den Straßen als Brunnen (manchmal nur ein Plastikrohr - manchmal ein schön gemauerter Brunnen) eingerichtet sind, versorgt. Wir tranken die ganzen fünf Woche nichts anderes und hatten nie irgendein Problem. Manche der Wässer sollten sogar besondere Heilkräfte besitzen.

Zum Thema Leute und Sicherheit sei jedenfalls zu erwähnen, dass wir selten in einem Urlaub freundlicher und hilfsbereiter von den Menschen aufgenommen wurden. Manche haben über uns gestaunt, manche haben sich vor uns gefürchtet, aber fast alle haben sich gefreut, dass wir ihr Land bereisen. Wir wurden von Leuten, die in ärmlichen Verhältnissen leben beschenkt und erhielten überall Hilfe wenn nötig. Besonders die Kombination von unserem "Zirkushund" mit seinen Kunststücken und den Kindern war äußerst kommunikationsfördernd. Wir haben die ganzen 5 Wochen unser Wohnmobil nie abgesperrt - da die Leute in deren Dorfnähe wir übernachteten es wahrscheinlich als persönliche Beleidigung betrachtet hätten, wenn ihren Gästen Schlechtes wiederfahren wäre. Vielleich sei aber auch erwähnt, dass wir generell die größeren Städte zum übernachten gemieden haben. Viele der Albaner wissen sehr wohl über ihren schlechten Ruf den sie in Mitteleuropa haben und scheinen besonders bemüht diesen wett zu machen. Mit italienisch kann man sich rudimentär verständigen, mit Händen und Füßen auch. Kinder sprechen teils gut Englisch.

Wir reisten über den Landweg, Slowenien, Kroatien, Montenegro - wo wir für 5 Tage in Ulcinj faulenzten - nach Albanien und auf demselben Weg wieder zurück. Am Rückweg fuhren wir die Strecke durch und brauchten schon zwei ganze Tage. Eine Variante wäre die Fähre nach Griechenland - Igoumenitsa, oder von Triest nach Durres oder Sarande und über den Landweg zurück. Wobei auch hier allfällig die Route über das Hinterland - Ungarn, Serbien, Kosovo - überlegenswert wäre (alles Autobahn). Da aber ab 2010 die Autobahn bis Dubrovnik fertig sein sollte, werden wir wahrscheinlich das nächste Mal wieder über Kroatien fahren.

Die Kosten durch Montenegro zu fahren sind nicht zu unterschätzen. Seit 2009 wird dort eine Straßenbenützungstaxe eingehoben. Wir bezahlten € 80,00 an der Grenze, da es sich beim Pickup um einen LKW handelt. Der Verkäufer der Vignette ging nicht auf die Diskussion über das Gewicht ein und zahlten wird tatsächlich die Lastwagengebühr. Unsere Reisbekanntschaft mit dem Unimog bezahlte lediglich € 35,00, da der Vigenttenverkäufer einsah, dass es zwar ein LKW -aber unter 3,5 Tonnen sei. Tja. Aber in Montenegro ist alles teuer - es sah fast so aus, als wolle sich das Land als besonders mondän unter den neuen östlichen Adria-Reiseländern hervortun. Vielleicht auch auf Grund der Unzahl der reichen Russen, die in dem Land alles Erdenkliche aufkaufen. Zum Beispiel wurde eine große Bucht nördlich von Uljcin, die ein vormaliges Militärgelände war, vom Ex-Bürgermeister Moskaus gekauft.
Die Gebühr für Albanien ist 1 Euro pro Person (wurde von uns nicht pro Tag sondern lediglich einmal bezahlt) und 2 Euro für das Womo (einmal zahlten wir als Pauschale und einmal pro Tag). Diese Gebühren waren 2009 ebenfalls neu, da man bis dahin eine Visumgebühr von 10 Euro bezahlte. Also schlimmstenfalls kostet die Gebühr € 4 pro Tag für zwei Personen und ein Wohnmobil. Wir vermuten, dass sich die Beamten an den Grenzen bei der Einhebung der neuen Gebühren noch nicht ganz sicher waren.

Das Gefühl, dass es sich um Willkür in irgendeiner Bereicherungsabsicht - Schmiergeld - handeln würde, hatten wir an keiner der Grenzen. Ganz besonders zuvorkommend wird man bei der Einreise behandelt, wenn man mitteilt, dass man nicht nur nach Griechenland durchreist, sondern in Albanien seinen Urlaub verbringen wird.
Mit dem Hund zu reisen war auch keinerlei Problem. Erstaunt sind aber ab dem südlichen Kroatien alle Leute, wenn ein Hund Kommandos ausführt und Kunststückchen gelernt hat. In Albanien gibt es überall halbwilde Hirtenhunde, mit denen teilweise nicht zu spaßen ist, Straßenköter gab es - im Gegensatz zu Makedonien - gar keine.

Abschließend sei gesagt - wir sind sicher nicht das letzte Mal in Albanien gewesen! Und jetzt viel Vergnügen beim Bilder gucken und schmökern und wenn ihr vorhabt nach Albanien zu fahren und irgendwas wissen wollt - einfach mailen!

21.-22. Mai

Anreise: Linz - Baska Voda - Uljcin

23.-26. Mai Ulcinj

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27.-28. Mai Theth Nationalpark Reisebericht

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29. Mai - 2. Juni

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3.-5. Juni

Lures Nationalpark Reisebericht

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12.-13. Juni im Tal des Vjoses

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14.-18. Juni

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