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Der Dempster Highway ist eine der wenigen Möglichkeiten in Nordamerika mit dem Auto zum Nordpolarkreis bzw. darüber hinaus zu fahren, in Kanada ist er der nördlichste Highway. Von der Abzweigung (Dempster Corner) vom Klondikeloophighway (ca 40 km östlich von Dawson) führt er über 743 km bis nach Inuvik. Nach den ersten 4 Kilometern ist die Straße unasphaltiert. In Dawson gibt es eine Touristeninformation (direkt am Yukon) für die Northwest Territories, in welcher man sich umfangreich informieren kann. Eine äußerst hilfsbereite Inuit erklärt den Straßenverlauf, gibt Auskunft über den Straßenzustand und die Fährverbindungen über den McKenzie und den Peel River. Die Straße ist das ganze Jahr hindurch geöffnet, im Winter fährt man über die zugefrorenen Flüsse, im Sommer sind staatliche Fähren in Betrieb, die einen über die Flüsse bringen. Lediglich im Frühjahr und im Herbst, wenn das Eis aufbricht bzw. die Flüsse zufrieren ist der Dempster Highway nur bis zum Peel River befahrbar. Direkt an der Abzweigung zum Dempster Highway befindet sich eine Tankstelle (Kondike River Lodge) mit Restaurant, einer Werkstatt, welche auch Reifen repariert und einem kleinen Campground. Das Tanken ist - im Gegensatz zu den Möglichkeiten am Dempster - nicht teurer als z.B. in Dawson. Vor allem sollte man diese Gelegenheit noch nutzen, da erst nach 369 km wieder eine Möglichkeit zum Tanken vorhanden ist (Eagle Plains). Weiter nördlich sind die Tankmöglichkeiten wieder ausreichender vorhanden.

Entlang des Dempster Highway gibt es folgende Campgrounds:
Government Campgrounds: Tombstone Mountain - km 72,6, Engineer Creek - km 193,4, Rock River - km 445,8, Caribou Creek - km 686; Campbell Creek - km 717 (mehr eine Picknickstelle)
Campgrounds: Eagle Plains - km 365,7 (mit allem Drum und Dran: Strom, Laundry, Restaurant etc. - erste Tankmöglichkeit!), Fort McPherson - km 548, Nitainlaii Territorial Campground - km 193,8 (mit einer kleinen Ausstellung über das Leben der Gwich'in People) , Chuck Park - km 738,5 (auf einem Hügel etwas außerhalb von Inuvik) und Happy Valley - km 742 ( direkt in Inuvik)
Bis zum McKenzie findet man auch sehr viele Möglichkeiten neben der Straße bzw. abseits der Straße um wild zu campen.

Am 5. Juni starteten wird in Dawson los. An der Kondike River Lodge wurde noch getankt und dann ab Richtung Norden. Unser erstes Tagesziel war der Campground in den Tombstone Mountains, auf dem Weg dorthin liefen uns ein Fuchs, ein Stachelschwein, Schneehasen und ein Elch über den Weg. An den Tombstone Mountains befindet sich eine Rangerstation vollgestopft mit biologischen und geologischen Informationen über das Gebiet, angefangen von Vogelfedern und Schmetterlingsflügel, welche man unterm Mikroskop betrachten kann bis hin zu handgemalten Karten über das Verbreitungsgebiet der Karibuherden ( es gibt nicht nur die Wandernden, sondern auch viele Herden die standorttreu - auch hier in den Tombstones - sind), die Aufenthalte der wandernden Herden werden immer an den aktuellen Stand angeglichen. Der Campground liegt wunderschön direkt an einem Creek und in der Nacht hatte es Minustemperaturen, sodass das Wasser an den Zweigen, die in den Bach hingen zu wahren Eisskulpturen gefror. Rund um den Campground gibt es kurze Wanderungen bzw. ist es möglich in der Hochlandtundra zu wandern. Da die Schneeschmelze gerade vonstatten ging, waren die Wanderungen z.T. überschwemmt bzw. versank man in der Tundra im Morast. Hier waren wir das erste mal so weit nördlich gekommen, dass es in der Nacht nicht Dunkel wurde, trotzdem es bewölkt war und auch schneite.

Am nächsten Tag fuhren wir bei Kaiserwetter weiter gen Norden. Die Touristen ließen merklichst nach (bis zu den Tombstones werden von Dawson aus Tagesausflüge angeboten). Einige Kilometer nach dem Campground hat man rechts einen Zugang in den Canyon eines Creeks, dort wanderten wir entlang des Baches bis uns aufgehäufte Eisschollen den Weg versperrten. Entlang des Blackstone Rivers/Plateaus eröffnete sich uns die unglaubliche Schönheit der Hochlandtundra mit den weiten Tälern der Blackstone Ranges, den Seen und den noch nicht zur Gänze geschmolzenen Eisschollen, die sich entlang der Bäche und Flüsse noch auftürmten.

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An einem See im Hochplateau versuchten wir erfolglos einen Fisch fürs Abendessen zu fangen, jedoch fanden wir entlang des Weges Überreste (Grundfeste) einer alten Hütte und das verlassene Gelege einer Eule. Durch die Greyhills, die ihren Namen vollkommen zu recht tragen (es handelt sich hier um ein Gebiet, welches in der letzten Eiszeit nicht von Gletschern bedeckt war und folglich von diesen nicht glattgeschliffen wurde; die Hügel sind riesige, zum Teil einige hundert Meter hohe Geröll/Schotterhalden, die nur vereinzelt mit Weißfichten bewachsen sind), gelangten wird zum Engineer Creek. Ab km 106 fährt man entlang des Creeks, an dessen Ufern einige Schwefelquellen entspringen (links neben der Straße schöne Sinterterrassen - mit zugehaltener Nase erträglich), der Fluss ist sehr eisenhaltig, wodurch die Steine in sattesten Gelb- und Rottönen gefärbt sind, auch in den Eisschollen waren rote Schichten eingeschlossen.

Am Ende unserer Tagesetappe gelangten wir zum Engineer Creek Campground. Auch dieser befindet sich direkt am Fluss und auf der gegenüberliegenden Seite liegt ein zum teil erodierter Berg, welcher in der Abenddämmerrung aussah wie eine gut getarnte Festung. Am Flussufer fanden wir Wolfsspuren (Startseite!) und am Abend fand sich eine Schar Kanadagänse ein

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Da sich das Wetter deutlich gebessert hatte und es auch in der Nacht nicht mehr fror, begann an diesem Tag das kanadische Martyrium - welches uns auch die nächsten Wochen plagte - MOSKITOS in rauen Mengen. Am 7. Juni gings dann, vorerst durch ein Stück etwas eintönige Landschaft (Eagle Plains - reine Fichtentundra und diese größtenteils durch Waldbrände zerstört), weiter. An der Tankstelle in Eagle Plains getankt - um satte $ 1,24 (!) - und weitergefahren bis zum nördlichen Polarkreis. Dort steht eine Schautafel mit Informationen über das Gebiet und dem jährlichen Sonnenlauf. Der Polarkreis bezeichnet den südlichsten Punkt an dem am 21. Juni 24 Stunden lang die Sonne scheint. Unter dem Holzpodest dieser Schautafel wohnt eine Familie von Erdhörnchen, welche mit den Besuchern munter verstecken spielt. In den Richardson Mountains starteten wir zu einer längeren Wanderung durch die Hochlandtundra und über ein Schieferplateau. Auf den ersten Blick meint man sich in einer äußerst unwirtlichen Landschaft, bei genauerem Hinsehen entdeckt man die unglaubliche Schönheit. Im Juni begann die Tundra zu blühen, das Klima erlaubt keine hochwachsenden und großblütigen Pflanzen. Wir fanden Birken, welche am Boden kriechend wachsen, blühende Moose und Pflanzen mit winzigsten Blüten in allen Farben und Formen. Auch fanden wird mehrere Überreste (Felle und Knochen) von Karibus aus dem Vorjahr, die von Wölfen und Bären (auch hier fanden wir Spuren) gejagt und gerissen worden waren. Nach kurzer Fahrt überquerten wir bei km 465 die Grenze zwischen Yukon und Northwest Territories. Hier muss man die Uhr um eine Stunde vorstellen. Wir stellten sie natürlich prompt eine Stunde zurück (geht uns ja zu Hause auch nicht anders ), aber im Urlaub ist das ja nicht tragisch. Mit der Fähre überquerten wir noch den Peel River und übernachteten - wieder von Moskitos geplagt - im Nitainlaii Territorial Campground.

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Am 8. Juni fuhren wir nach Fort McPherson. Hier liegt das Zentrum des Gwich'in Territory, durch welches man entlang des Dempsters hauptsächlich fährt. Man wird mit Straßenschildern darauf hingewiesen, dass man nunmehr Stammesgebiet betritt und Stammesrecht (Jagd, Fischfang, Landverteilung etc.) gilt. Das zuständige Gericht befindet sich in Fort McPherson. Das Visitorcenter, in welchem man lt. MilePost umfangreiche Informationen findet, hatte wegen Umbau geschlossen. Im Fort McPherson gibt es Einkaufs- und Tankmöglichkeiten. Weiter gings bis zum McKenzie River und mit der Fähre über den Arctic Red River nach Tsiigehtchic. (Die Fähre fährt hier im Dreieck, denn der Dempster Highway kreuzt genau an der Stelle, an der der Arctic Red River in den McKenzie mündet. Tsiigehtchic liegt auf der Landspitze zwischen den beiden Flüssen). Bei dem Ort handelt es sich um eine kleine Gwich'in Siedlung die größtenteils autark von Jagd und Fischfang lebt und eine Einwohnerzahl von ca. 195 Leuten hat. Da erst eineinhalb Wochen vorher das Eis aufbracht, und der Fluss anschließen starkes Hochwasser führte, wurde an den Anlegestellen noch fest gebaggert und planiert - und dies vorrangig an den Hauptanlegestellen des Dempsters. Die Anlegestelle in Tsiigehtchic war noch nicht fahrtauglich also legte der Kapitän der Fähre an einer zweiten Auffahrtsstelle an. Aber auch an der war tiefer Matsch und die Auffahrt zum Ort sehr steil. Nun - und ich fuhr mit unserem Truck-Camper von der Fähre und gab Gas, damit ich Anlauf für das Steilstück hatte - plötzlich hats gerumpelt und im Rückspiegel sah ich ein Teil davonfliegen, dachte es wäre eine Absperrung von der Fähre oder so - gewesen sinds die Stützen und die Stiege von unserem Womo ! Naja, der Besuch von Tsiigehtchic fiel dann etwas kürzer aus. Mit dem Kapitän der Fähre haben wir anschließend einen Unfallbericht aufgenommen und er meinte, wenns Probleme mit dem Vermieter gäbe sollten sie sich direkt an ihn wenden, aber sie würden versuchen bei der zur Fähre gehörenden Werkstatt den Schaden zu beheben. Gesagt, getan. Da war ein ganz junger Gwich'in in der Werkstatt und der hat dann mit seinem vom Hochwasser minimierten Werkzeug, dem Gabelstapler und viel Improvisation unser Womo hergerichtet als wärs neu - und dann wollt er nichtmal was dafür haben !!! That´s Canada - die ganzen sechs Wochen war ich über die Hilfsbereitschaft und das unkomplizierte Verhalten der Leute da immer wieder positivst überrascht. Es gab dann auch beim Zurückbringen des Womos keinerlei Probleme, ein kurzer schriftlicher Bericht (sogar in Deutsch) und eine kurze Begutachtung durch den Vermieter (WOW - nobody would do it better - war sein ganzer Kommentar) und wir bekamen sogar das ganze Deposit zurück.
Aber der Tag war im Eimer und wir kamen dann erst ziemlich spät am Abend in Inuvik an und übernachteten da im Happy Valley.

Eigentlich hätten wir beabsichtigt, von Inuvik aus in einen der Nationalparks (Banks Island, Tuktut Nogait, Aulavik oder Ivvavik,) zu fliegen und dort für ein paar Tage zu campen und zu wandern. Da wir von zu Hause aus weder im Internet und auch sonst nicht viel fanden, wollten wir das ganz spontan entscheiden. Also führte uns der erste Weg am 9. Juni in das Visitorscenter in Inuvik. Dort wurden wir an die Nationalparkverwaltung verwiesen. Die Dame in dem nicht sehr einfach zu findenden Office (im ersten Stock des Gebäudes der Post mit Hintereingang, welcher auch zum Arbeitsamt führt) war über unseren Besuch einigermaßen erstaunt. Offensichtlich versucht man die in der Arktis gelegenen Nationalparks von Besuchern eher abzuschotten. Zu jedem Nationalpark hat jährlich ein sogenannter "Outfitter" (Reiseveranstalter) die Berechtigung zum veranstalten eines Trips, diese sind oft schon Monate vorher ausgebucht, da die Personenzahl äußerst begrenzt ist. Ansonsten hat man zwar die Möglichkeit, die Nationalparks auf eigene Faust zu erkunden, die Kosten für den Flug betragen jedoch $ 10.000,-- und aufwärts (je nach Entfernung), dazu kommen noch die ziemlich hohen Nationalparkgebühren von $ 100,-- bis 150,-- - im Vergleich zum Flug ja eh ein Klacks ).

Tja - wir verließen also bestens ausgestattet mit Unterlagen und Kontaktadressen zu den Outfittern (vielleicht gewinnen wir ja mal im Lotto) wieder das Office. Vom Visitorcenter aus hat man noch die Möglichkeit Tagesausflüge z.B. nach Tuktoyaktuk oder Aklavik zu unternehmen, dies jedoch nur mit einem Guide und Folkloreveranstaltungen, was nicht so unser Ding ist. Eine Alternative wäre noch Herschel Island, welches jedoch zur Zeit unserer Reise noch im Packeis lag und erst ab Juli angeflogen wurde. Nach einem kurzen Besuch eines Art's and Craft's, des Supermarktes und des Liquor Stores (es ist nicht nur der Besuch eines Nationalparks unerschwinglich - 5 Scheiben Putenschinken kosteten $ 5,--) verabschiedeten wir uns wieder von Inuvik. Eine Stadt mit wenig Charme. Sie entstand in den 70 Jahren während des Öl-Booms und ist ein reiner Versorgungsstützpunkt für die Arktis. Viele Inuit erschienen uns ziemlich perspektivlos und entwurzelt, vor allem unter den Männern schien ein großes Alkoholproblem zu bestehen. Da auf Grund der Klimaerwärmung - der Permafrostboden taut bis in große Tiefen und resultiert daraus unter Anderem eine weitgreifende Erosion der Küste (stellenweise rinnt der Boden richtiggehend ins Meer und müssen Häuser jedes Jahr um einige Meter weiter ins Landesinnere versetzt werden), die Packeisgrenze schiebt sich immer weiter nach Norden - eine traditionelle Lebensweise bei den Inuit nicht mehr möglich ist. Weiter im Süden bei den Gwich'in und den Inland Tlingits hatte man das Gefühl, dass sie schon lange genug mit den Errungenschaften unserer Zivilisation und den Weißen zusammenlebten um sich ganz bewusst wieder einer eher traditionellen Lebensweise zuzuwenden, bei den Inuits schien dies noch zu kurz zu sein und man sah, dass sie wirklich in einem absoluten Konflikt zwischen ihrer und unserer Kultur leben und scheints noch keinen Weg gefunden zu haben damit umzugehen und ihren Platz zu finden.
Das Gefühl mit dem wir die Arktis wieder verlassen haben war ein gemischtes. Nach unserem Dafürhalten würden wir die Strecke bis zum McKenzie River empfehlen und auch, dass man sich für diesen Teil ausreichend Zeit nimm

Nach der Überquerung des McKenzie fährt man noch ca. 200 km durch abwechslungslose Taiga in einer absolut ebenen Landschaft - man sieht Wald, Wald und Wald und am Straßenrand in kurzen Abständen Bärenhaufen, und das wars dann, auch empfinden wir Inuvik (außer man will weiter in die Arktis) nicht wirklich besuchenswert ( ist eine rein subjektive Meinung).
Da wir uns für den Dempster Highway Richtung norden viel Zeit genommen hatten, fuhren wir in zwei Tagen zurück Richtung Süden, übernachtet haben wir wieder am Engineer Creek. Am zweiten Tage hängten wir noch die Etappe über Stewart Crossing, entlang des Yukon Rivers mit den Five Finger Rapids, Carmacks bis zum Frenchman Lake am Robert Campbell Highway an. Wir erlebten einen wahren Klimaschock, da es am Yukon 37 Grad Celsius hatte. Die Strecke von Dempster Corner bis zum Yukon ist landschaftlich weniger reizvoll, man fährt ununterbrochen durch (zum Teil verbrannten) Wald

Entschädigung war der Frühlingsausbruch, denn neben der Straße blühten überall Lupinen und Heckenrosen. Fährt man den Klondike Highway ist der kurze Abstecher auf den Frenchman Lake ein absolutes MUSS! Dieser See mit seinem dunkelgrünen Wasser und zwei wunderschönen Government Campgrounds eignet sich bestens um zu paddeln und zu fischen! Auch war das Wasser bereits so warm, dass wir sogar ein kurzes Bad gewagt haben. Wir verbrachten dort - nach der anstrengenden Rückfahrt von Inuvik - zwei wunderbar relaxte Tage.

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