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Die Atlin Road zweigt vom Alaksa Highway bei Meile 836,8 (Jake's Corner) ab. Man fährt 1,8 km auf der Tagish Road (Highway 8) und zweigt dann links auf die Atlin Road ab. Diese führt über 93,4 km bis nach Atlin. Die ersten 64,4 km sind geschottert und die letzten 29km vor Atlin sind asphaltiert. Die Straße ist das ganze Jahr über und bei jedem Wetter zu befahren.
Nach dem Tanken und einem kleinen Einkauf in Teslin, bei welchem die Verkäuferin im Grocery über die beginnende Touristensaison und dem hohen Verkehrsaufkommen (an der Tankstelle draußen standen 3 Womo's) die Augen verdrehte, gings los Richtung Atlin.
Gleich zu Beginn des Atlin-Highways fährt man entlang des Little Atlin Lakes und hat eine wunderbare Aussicht über den See und Moore entlang des Seeufers, sowie auf den Mount Minto (2.107m).

Auf der Atlin Road hatten wir dann auch wirklich viel Verkehr, da Sonntag war und entlang des Sees und an den Campingplätzen alles voller fischender und feiernder Kanadier war. Die Campingplätze entlang der Atlin Road sind sehr beliebt bei den "Stadtleuten" aus Whitehorse, da man von dort lediglich 2 Stunden hierher unterwegs ist. Was wir bis zur Abzweigung zum Snafu Lake auch genossen, war der unglaublich tolle Classic-Rock-Radiosender (einer von zweien), den man hier empfangen konnte. Entsprach genau unserem Musikgeschmack und unglaublich tönte es plötzlich deutsch aus den Lautsprechern, da die doch tatsächlich Nina Hagen spielten.

Wir dachten zuerst daran gleich am Snafu Lake unser Nachtlager aufzuschlagen, aber leider war der Campingplatz an diesem herrlich grünen und verwinkelten See schon voll (tja - Wochenende), also fuhren wir weiter zum Tarfu Lake. Dort war zwar der Campingplatz nicht ganz so voll (beides sind Yukon Gouvernment Campgrounds) aber es hat uns nicht so wirklich gefallen - und kaum das Autofenster aufgemacht, wurden wir dort von Moskitohorden überfallen. Wir fuhren also zum Ende bis nach Atlin. Kurz vor Atlin kommt man am Como Lake (ja - einen solchen gibt's nicht nur in Italien) vorbei. In Atlin angekommen drehten wir eine Runde im Ort und bestaunten unter anderem den Hafen, in welchem mehr Wasserflugzeuge als Boote vor Anker lagen. Atlin ist die nordwestlichste Stadt British Columbias und ich denke wohl einer der am schönsten gelegenen Orte in denen ich je war. Vom Ort aus überblickt man nahezu den gesamten Atlin Lake, welcher 145 km (!!!) lang ist und von einem unglaublichen Bergpanorama umgeben ist. Auf Teresa Island befindet sich mit dem Birch Mountain (2.060 m) der höchste in einem See gelegene Punkt der Erde. Atlin wurde 1898 gegründet und der Name leitet sich vom indianischen Begriff für "Großes Wasser" ab.

Während des letzten großen Goldrausches in den Jahren 1897-98 fand man im Gebiet um Atlin die größten Goldvorkommen. Auch heute noch wird rund um Atlin Gold gewaschen und im Juli 1981 fanden glückliche Goldsucher einen faustgroßen Goldnugget im McKee Creek 1 der als "Attlin nugget" in die Geschichte einging. Heute ist Atlin eine kleine, hübsche Siedlung in welcher viele ausgewanderte Europär und auch viele Künstler ihr zu Hause fanden. Aufgefallen ist uns, dass offensichtlich viel spekuliert wird in der Gegend rund um Atlin, den wir fuhren an vielen neuen und neu renovierten Häusern vorbei, die alle zum Verkauf angeboten wurden.

Von Atlin aus gibt es zwei Straßen die jede einen Abstecher wert sind. Eine davon die Discovery Road, führt über 21 km entlang des Pine Creeks in welchem noch immer Gold geschürft wird, vorbei an der Geisterstadt "Discovery" bis zum Surprise Lake. Die zweite, die Warm Bay Road führt 26,5 km entlang des südlichen Ufers des Atlin Lakes.
Wir beschlossen die Discovery Road bis zum Surprise Lake zu fahren und uns dort unser Nachtquartier zu suchen. Gleich zu Beginn am Ortsende von Atlin liegt links der Flughafen und rechts ein alter Pionierfriedhof. Beim lesen der Grabinschriften bekommt man einen Eindruck vom "Wilden Westen". In dem Stückchen Erde liegen Menschen aus aller Herren Länder (Japan, Schweden, Dänemark, Schott- und Irland, Russland, Italien ……) begraben, und sie starben zum Teil unter mysteriösen und grausamen Umständen. …..Tod am Weg gefunden…….died from a gunshot…….usw. Alt wurden hier die wenigsten. Besonders fiel das bei den Frauen (kaum welche die älter als Mitte dreißig wurden) und den Kindern auf. Trotzdem es ein heißer und sonniger Tag war hätte man Gänsehaut bekommen können weils einen ein wenig gruselt - Stephen King hätte sicher seine Freude dort gehabt.

Beim Surprise Lake angekommen entdeckten wir eine andere Wochenendbeschäftigung der Atlin Einwohner - mit dem Bagger im Seeufer Goldgraben……tja, war dann nix mit gemütlichem Abend am See. Wir fuhren wieder zurück bis zum Pine Creek Fall bei welchem man eine kleine Brücke und ein verstecktes Plätzchen direkt über den Wasserfällen findet, an welchem wir dann übernachteten. Die tiefstehende Abendsonne und die hoch aufschäumende Gischt der Hochwasser führenden Fälle bescherte uns nach dem Abendessen dann ein besonderes Schauspiel……

Am nächsten Tag machten wir uns auf die Warm Bay Road zu erkunden. Wie gesagt führt sie entlang des Südufers des Sees. Entlang der Straße liegen 5 Campingmöglichkeiten (Palmer Lake - , Warm Bay - , Warm Spring und Grotto recreation site) alles dieser Plätze sind wurderbar gelegen, der Palmer Lake eignet sich angeblich bestens zum fischen - wir habens nicht versucht, da wir nur die Fischkarte für den Yukon hatten, die Warm-Springs sind zum Teil aufgestaut, sodass man dort in den warmen Quellen fein baden kann, und bei "The Grotto" handelt es sich um eine große Quelle, welche anscheinend auch als Trinkwasser geeignet ist. Der Campground dort liegt am Ende der Straße und in einem richtig verwunschen wirkenden Wald.
Die Straße ginge dort noch weiter, laut unserer Karte mehrere hundert Kilometer durchs Gebirge runter bis zur Stikine River Recreation Area. Ein Schild wies uns darauf hin, dass die Straße nach der Grotto nicht mehr gewartet wird; wir versuchten es ein Stück, war aber dann für unser Auto auch nicht mehr wirklich machbar, aber ich denke mal, als Wanderung kann man da in die wirkliche Wildnis vordringen.

An der Warm Bay stellten wir dann unser Womo für die Nacht ab, und zwar am Strand, nicht in der Recreation Site….einen schöneren Übernachtungsplatz hatten wir selten. Da es sehr windig war und dadurch ans paddeln mit unserem Ally nicht zu denken, machten wir uns per pedes zu einem "Strandspaziergang" auf. Gleich ums Eck hatten wir einen traumhafen Ausblick auf den Llewellyn Gletscher und das Treibholz und die buntesten Steine ließen uns die Kamera gar nicht mehr aus des Hand legen. Ganz versteckt einige hundert Meter entfernt von der Bucht fanden wir im Wald eine indianische Kultstätte….
Da wir uns dem längsten Tag des Jahres näherten, konnten wir bis spät in die Nacht hinein (eher schon in den Morgen) am Lagerfeuer und beim Bier eine herrlichen Frühsommernacht und später Sonnenuntergang erleben.
Den nächsten Tag beschlossen wir zu bleiben, trödelten herum, beobachteten beim Frühstück einen Prachttaucher, fuhren kurz nach Atlin um einzukaufen, scheuchten direkt neben der Straße eine riesige Graueule (great gray owl) auf, wanderten wieder ein Stück in die andere Richtung beobachteten dabei Schneehasen und - hühner und versanken bis zu den Knöcheln im Treibsand und Morast, unterhielten uns mit Leuten die zum kajaken da waren und sammelten eine ganze Kaffeedose voll von den bunten Atlin-Steinen.

Am nächsten Morgen machten wir uns wieder Richtung Norden auf. Nach einem kurzen Plausch mit dem Tankwart in Atlin der uns erklärte "hm, flies are out for this year" (die wahre Bedeutung dieser Aussage sollte uns dann noch später am Tag bewusst werden) hofften wir, dass während der Woche am Snafu Lake doch noch ein freies Plätzchen am Campground zu finden sei. War auch tatsächlich der Fall, die einzigen sonstigen Camper waren ein Medizinmann mit seinem Sohn, dessen Frau und Kindern, welche in einem uralten, grün lackiertem Schulbus unterwegs waren, in welchem sie auch lebten. Wir packten unseren Ally aus und der hätte ihnen auch recht gut gefallen. Der See ist herrlich zum paddeln, lauter kleine Seitenarme und miteinander verbundene kleinere Seen, tiefgrünes Wasser und auch wieder Seetaucher beim fischen zu bestaunen. Leider kam nach einer Stunde von Süden her eine schwarze Wolkenwand auf uns zu - und da uns der Schreck vom Lapie Lake noch in den Knochen saß - beschlossen wir umzukehren. Am Seeufer war die Moskitoplage wieder unglaublich, sodass wir beschlossen im Kiefernwald ein Stück oberhalb des Sees eine Übernachtungsstelle zu suchen.

Dort begannen wir schweren Herzens unsere sieben Sachen für den Rückflug zu verstauen und machten anschließend noch eine Wanderung bei der uns ein Elch sehr nahe kam und wir den Sinn der Aussage des Tankwarts verstanden…….ohne Moskitonetz am Hut hätte man die Blackflies hier eingeatmet; so lange man in Bewegung war hatte man lediglich eine schwarze Wolke über sich schweben, die sich sobald man stehen blieb über einen senkte…… Not that funny!
Die Wolkenwand kam mit der Zeit auch immer näher und durch unseren Stellplatz hoch über dem Moor hatten wir eine traumhafte Aussicht auf die Regenschauer die rund um uns auf die Berge niedergingen.
Abendessen war dann drinnen angesagt und der nächste Tag war dann der letzte der Reise, an dem wir uns Richtung Whitehorse aufmachten.

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